Soloreise Südkorea – Tag 6
Soloreise Südkorea – Tag 6
Starfield Library und ein teurer Irrtum im Lotte World Tower
Für meinen vorerst letzten Tag in Seoul hatte ich mir bewusst nicht allzu viel vorgenommen. Die vergangenen Nächte waren weiterhin alles andere als erholsam. Auch diesmal lag ich bis weit nach Mitternacht wach und fand erst gegen halb vier Uhr morgens etwas Schlaf. Offenbar hatte mein Körper noch immer Schwierigkeiten, sich an die Zeitverschiebung anzupassen.
Merkwürdigerweise machte sich die fehlende Nachtruhe tagsüber kaum bemerkbar. Obwohl ich insgesamt deutlich zu wenig schlief, fühlte ich mich während des Tages erstaunlich fit. Dennoch hoffte ich, dass sich die Situation nach meinem bevorstehenden Ortswechsel verbessern würde. Am nächsten Tag sollte es mit dem KTX nach Gyeongju gehen, wo mich statt eines Capsule Hotels ein normales Hotelzimmer erwartete.
Zwischen Büchern und Menschenmassen
Nach dem Frühstück machte ich mich gegen halb elf auf den Weg zur Starfield COEX Mall. Das riesige Einkaufszentrum zählt zu den größten seiner Art in Seoul und erstreckt sich über mehrere Ebenen mit unzähligen Geschäften, Restaurants und Freizeitangeboten.
Die eigentliche Attraktion für mich befand sich jedoch mitten im Gebäude: die berühmte Starfield Library.
Die Bibliothek ist vor allem durch ihre beeindruckenden, mehrstöckigen Bücherregale bekannt und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Fotomotiv entwickelt. Entsprechend groß war der Andrang. Der überwiegende Teil der Besucher schien weniger zum Lesen als vielmehr zum Fotografieren gekommen zu sein.
Auch ich verbrachte etwa eine Stunde damit, verschiedene Perspektiven auszuprobieren und die besondere Architektur festzuhalten. Dabei griff ich erneut auf eine Technik zurück, die mir während der Reise immer besser gefiel: längere Belichtungszeiten. Dadurch verschwimmen die vorbeilaufenden Menschen und die Bilder wirken deutlich ruhiger, als es die tatsächliche Situation vor Ort vermuten lässt.
Einige der entstandenen Aufnahmen gehörten später zu meinen Favoriten des Tages.
Ein Spaziergang durch Gangnam
Nach dem Besuch der Bibliothek kehrte ich zunächst in ein nahegelegenes Bistro ein und gönnte mir eine Mittagspause. Anschließend stand mein nächstes Ziel auf dem Programm: die Aussichtsplattform des Lotte World Towers.
Da bis zum Sonnenuntergang noch genügend Zeit blieb, entschied ich mich spontan gegen die U-Bahn und für einen längeren Spaziergang durch das Gangnam-Viertel. Der Weg sollte etwas mehr als eine Stunde dauern.
Unterwegs machte ich noch einen kurzen Halt am Psy Memorial. Das Denkmal erinnert an den Musiker Psy, dessen Song „Gangnam Style“ im Jahr 2012 zu einem weltweiten Phänomen wurde und Gangnam weit über die Grenzen Südkoreas hinaus bekannt machte.
Der wohl kürzeste Besuch eines Observation Decks
Schließlich erreichte ich den Lotte World Tower, das mit Abstand höchste Gebäude Südkoreas. Mein Plan war klar: rechtzeitig vor Sonnenuntergang auf die Aussichtsplattform fahren und dort einige Aufnahmen der Skyline von Seoul machen.
Mit dem Aufzug ging es innerhalb von etwa einer Minute vom Erdgeschoss bis in die 117. Etage. Von dort führten weitere Rolltreppen in die oberen Ebenen des Observation Decks, die einen beeindruckenden Rundumblick über die Stadt ermöglichen.
Nachdem ich einige Testaufnahmen durch die Fensterscheiben gemacht hatte, bemerkte ich einen weiteren Aufzug mit der Bezeichnung „Lotte Sky Shuttle“. Zahlreiche Besucher standen davor an.
Da mir die Aussichtsplattform vergleichsweise klein vorkam und ich die Observation Decks in Tokio deutlich größer in Erinnerung hatte, zog ich eine falsche Schlussfolgerung. Ich war überzeugt, dass dieser Aufzug noch weiter nach oben führen würde – zum eigentlichen Hauptbereich der Aussichtsplattform.
Also stellte ich mich ebenfalls an.
Bereits während der Fahrt dämmerte mir langsam, dass etwas nicht stimmen konnte. Die Fahrzeit war deutlich länger als erwartet. Wenige Augenblicke später bestätigte sich mein Verdacht: Ich befand mich nicht auf dem Weg nach oben, sondern auf dem Weg nach unten – direkt zum Ausgang.
Mein Besuch auf der Aussichtsplattform war damit nach ungefähr zehn Minuten bereits beendet.
Unten angekommen erhielt ich schnell die Bestätigung, dass ich mich zuvor bereits auf der höchsten Besucherebene befunden hatte. Ohne ein neues Ticket gab es kein Zurück nach oben.
So bezahlte ich letztlich rund 16 Euro für einen der kürzesten Observation-Deck-Besuche meines Lebens.
Lehrgeld statt Frust
Natürlich ärgerte ich mich zunächst über meine eigene Dummheit. Gleichzeitig hielt sich der Frust aber überraschend in Grenzen.
Zum einen war das Ticket vergleichsweise günstig, zum anderen würde ich am Ende meiner Reise noch einmal nach Seoul zurückkehren. Warum also nicht einfach einen zweiten Versuch starten?
Mit diesem Gedanken verabschiedete ich mich von meinem ursprünglich geplanten Sonnenuntergang über Seoul und machte mich auf den Rückweg.
Abschied von Seoul auf Zeit
Zurück in der Nähe meines Capsule Hotels gönnte ich mir zum Abendessen eine Pizza und verbrachte den restlichen Abend damit, die Fotos des Tages zu sichten und meine Eindrücke festzuhalten.
Am nächsten Morgen würde ein neuer Abschnitt der Reise beginnen. Mit dem KTX, dem südkoreanischen Hochgeschwindigkeitszug, sollte es nach Gyeongju gehen – eine Stadt, auf die ich mich schon lange besonders gefreut hatte.
Bevor es soweit war, wollte ich jedoch noch eines schaffen: endlich einmal etwas früher schlafen gehen.




