Soloreise Südkorea – Tag 7
Soloreise Südkorea – Tag 7
Mit dem KTX nach Gyeongju, historische Gräber und nächtliche Fotospots
Nach mehreren Tagen in Seoul stand heute der erste Ortswechsel meiner Reise an. Mein Ziel war Gyeongju, die ehemalige Hauptstadt des Silla-Königreichs, die oft als „Museum ohne Mauern“ bezeichnet wird. Kaum eine andere Stadt Südkoreas ist so reich an historischen Stätten und kulturellem Erbe.
Mit dem Hochgeschwindigkeitszug in den Südosten Koreas
Am Morgen machte ich mich auf den Weg zur Seoul Station, wo bereits der KTX auf mich wartete. Der südkoreanische Hochgeschwindigkeitszug verbindet die wichtigsten Städte des Landes und gilt als eines der schnellsten und komfortabelsten Verkehrsmittel Koreas.
Die knapp zweistündige Fahrt verging deutlich schneller, als ich erwartet hatte. Vom Fensterplatz aus beobachtete ich die vorbeiziehende Landschaft und bekam einen ersten Eindruck vom ländlicheren Südkorea außerhalb der Millionenmetropole Seoul. Zwischen Bergen, Feldern und kleineren Ortschaften zeigte sich eine ganz andere Seite des Landes.
Nach der Ankunft in Gyeongju brachte mich ein Bus in etwa zwanzig Minuten vom Bahnhof ins Stadtzentrum und damit in die Nähe meines Hotels.
Wäsche waschen mit koreanischer Unterstützung
Mein Timing hätte kaum besser sein können. Da der Check-in erst für 16 Uhr vorgesehen war, nutzte ich die Zeit für eine Aufgabe, die auf längeren Reisen irgendwann unvermeidlich wird: Wäsche waschen.
Nur wenige Meter vom Hotel entfernt befand sich ein Münzwaschsalon. Zunächst besorgte ich mir an einem Geldautomaten einen 10.000-Won-Schein und wechselte diesen anschließend in zahlreiche 500-Won-Münzen um. Danach stand ich vor den Waschmaschinen und versuchte, die koreanischen Beschriftungen zu entziffern.
Bevor daraus ein längeres Rätsel wurde, erhielt ich unerwartet Hilfe. Eine junge Koreanerin, die gerade ihre Wäsche aus der Maschine holte, bemerkte meine etwas ratlose Miene und erklärte mir auf Englisch den gesamten Ablauf. Dank ihrer Hilfe war die richtige Waschmaschine schnell gefunden und das Programm gestartet.
Während die Maschine ihre Arbeit verrichtete, nutzte ich die Zeit für einen kurzen Abstecher zu einem nahegelegenen McDonald’s. Nach knapp einer halben Stunde wanderte die Wäsche in den Trockner, weitere Münzen wechselten den Besitzer und wenig später hatte ich wieder einen Vorrat an frischen Kleidungsstücken.
Ein Hotelzimmer nach fünf Tagen Capsule Hotel
Da noch etwas Zeit bis zum Check-in blieb, erledigte ich direkt die nächste organisatorische Aufgabe. Das Intercity Bus Terminal lag praktischerweise ebenfalls in derselben Straße wie mein Hotel. Dort kaufte ich bereits mein Busticket für die Weiterfahrt nach Busan am kommenden Samstag.
Als ich gegen halb vier im Hotel eintraf, durfte ich glücklicherweise bereits einchecken.
Nach fünf Nächten im Capsule Hotel fühlte sich ein normales Hotelzimmer beinahe luxuriös an. Endlich hatte ich wieder ausreichend Platz, alle meine Sachen an einem Ort und musste keine Wertsachen ständig ein- und ausschließen oder zwischen verschiedenen Bereichen hin- und herlaufen. Allein dieser Komfort sorgte sofort für ein deutlich entspannteres Reisegefühl.
Nachdem ich in frische Kleidung gewechselt hatte, ging es direkt wieder hinaus.
Die Daereungwon-Gräber
Mein erstes Ziel in Gyeongju waren die Daereungwon-Gräber. Die grasbewachsenen Hügel beherbergen die Grabstätten von Königen und Adligen aus der Zeit des Silla-Königreichs und gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Während meines Spaziergangs durch die Anlage erreichte ich schließlich auch den berühmten Fotospot, den ich bereits aus zahlreichen Bildern im Internet kannte. Tatsächlich standen dort mehrere Menschen Schlange, um exakt dieselbe Aufnahme zu machen.
Das Motiv selbst wirkte auf mich angenehm minimalistisch und durchaus schön, auch wenn es mich nicht ganz so sehr begeisterte, wie es die Bilder im Internet vermuten ließen. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit trotzdem nicht entgehen und nahm ebenfalls ein Foto auf.
Anschließend erkundete ich noch weitere Bereiche der Anlage und probierte verschiedene Perspektiven aus. Da der Wind jedoch zunehmend stärker wurde und ich noch immer in Shorts unterwegs war, entschied ich mich für einen kurzen Zwischenstopp im Hotel.
Wolji Pond bei Nacht
Mit langer Hose und einem wärmeren Merino-Shirt ausgestattet machte ich mich erneut auf den Weg. Diesmal führte mich der Bus zum Wolji Pond, einem historischen Teich, der Teil eines ehemaligen königlichen Palastkomplexes war und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Besonders bekannt ist der Ort für seine nächtliche Beleuchtung. Die historischen Gebäude spiegeln sich im Wasser und bilden eines der bekanntesten Fotomotive Gyeongjus.
Als ich ankam, war der Bereich allerdings noch gut gefüllt. Zahlreiche Besucher versuchten, Erinnerungsfotos aufzunehmen, wodurch an ein Stativ zunächst kaum zu denken war.
Nachdem die meisten Touristen ihre Bilder gemacht hatten und weiterzogen, wurde es deutlich ruhiger. Nun konnte ich mein Stativ aufbauen und verschiedene Perspektiven ausprobieren.
Mit dem Ergebnis war ich am Ende jedoch nicht vollständig zufrieden. Die Aufnahmen waren keineswegs schlecht, doch irgendetwas fehlte mir. Vielleicht lag es an der Perspektive, vielleicht am Licht oder schlicht daran, dass die Realität manchmal anders wirkt als die Bilder, die man zuvor gesehen hat.
Gleichzeitig wurde mir erneut bewusst, dass ich mir für zukünftige Reisen wahrscheinlich ein noch weitwinkligeres Objektiv anschaffen möchte. Viele der Motive hätten mit einem größeren Bildwinkel deutlich stärker gewirkt als mit den maximal 17 Millimetern meines aktuellen APS-C-Zoomobjektivs.
Die beleuchtete Woljeonggyo-Brücke
Nach dem Besuch des Wolji Pond spazierte ich durch die angenehm ruhigen Straßen Gyeongjus weiter zur Woljeonggyo-Brücke. Die rekonstruierte historische Brücke wird nach Einbruch der Dunkelheit vollständig beleuchtet und zählt zu den bekanntesten Fotomotiven der Stadt.
Hier entstanden noch einige weitere Aufnahmen, bevor ich schließlich den rund dreißigminütigen Rückweg zum Hotel antrat.
Ein unkomplizierter Tagesabschluss
Eigentlich hatte ich geplant, unterwegs noch in einem Restaurant zu Abend zu essen. Allerdings stellte ich fest, dass viele Lokale unter der Woche bereits gegen 20 Uhr schließen. Da ich keine Lust hatte, noch lange nach einer geöffneten Alternative zu suchen, entschied ich mich für die einfache Lösung.
Ein Abendessen aus dem Convenience Store wanderte mit aufs Hotelzimmer und sorgte für einen unkomplizierten Abschluss des Tages.
Während ich die Fotos sichtete und meine Eindrücke festhielt, wurde mir erneut bewusst, wie sehr sich Gyeongju von Seoul unterschied. Statt Wolkenkratzern und Millionen von Menschen bestimmten hier Geschichte, historische Stätten und eine deutlich ruhigere Atmosphäre das Stadtbild.
