Soloreise Südkorea – Tag 11

Soloreise Südkorea – Tag 11

Der Haedong Yonggungsa Tempel, ein gescheiterter Fotospot und ein Tag ohne Kamera

Auf diesen Morgen hatte ich mich schon seit Beginn der Reise gefreut.

Schon vor meiner Abreise hatte ich im Internet zahlreiche Fotos vom Haedong Yonggungsa Tempel gesehen, die bei Sonnenaufgang aufgenommen worden waren. Besonders ein Motiv hatte es mir angetan: Der Tempel, eingerahmt von Felsen und Meer, während die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erleuchten.

Dieses Foto wollte ich unbedingt selbst aufnehmen.

Gleichzeitig bedeutete es auch, dass ich zum ersten Mal auf dieser Reise wieder für einen Sonnenaufgang aufstehen würde – etwas, das während meiner Japanreise noch deutlich häufiger vorkam.

Aufbruch vor Sonnenaufgang

Laut Wetter-App sollte die Sonne um 5:27 Uhr aufgehen.

Mein Wecker klingelte daher bereits um 4 Uhr morgens. Kurz darauf bestellte ich mir über eine App ein Taxi, da der Tempel nur mit dem Bus erreichbar ist und um diese Uhrzeit noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fuhren.

Wie so oft in Südkorea dauerte es keine zwei Minuten, bis das Taxi vor dem Hotel stand.

Für umgerechnet knapp neun Euro brachte mich der Fahrer innerhalb von etwa zwanzig Minuten zum Tempel, sodass ich gegen fünf Uhr morgens vor Ort war.

Voller Vorfreude machte ich mich auf den Weg zu dem Aussichtspunkt, den ich bereits vor der Reise recherchiert hatte.

Die erste Enttäuschung

Doch bereits wenige Minuten später war die Euphorie verschwunden.

Der Zugang zum Fotospot war komplett abgesperrt.

Wegen Bauarbeiten waren sowohl die Brücke als auch der gesamte Bereich dahinter gesperrt worden. Ein Umweg war zunächst nicht erkennbar.

Enttäuscht zog ich mein Smartphone hervor und öffnete Naver Maps. Vielleicht gab es ja doch noch einen alternativen Weg.

Ich markierte den Bereich, den ich als Standort des Fotospots vermutete, und tatsächlich schlug die App eine Route vor. Der Fußweg sollte etwa dreißig Minuten dauern.

Ein Blick auf die Uhr verriet mir sofort, dass ich den Sonnenaufgang dort nicht mehr erleben würde.

Trotzdem machte ich mich ohne großes Zögern auf den Weg.

Die zweite Enttäuschung

Eine halbe Stunde später erreichte ich mein Ziel.

Zumindest glaubte ich das.

Denn auch hier erwartete mich die nächste Absperrung.

Der Weg führte tatsächlich an der felsigen Küste entlang bis in die Nähe des gewünschten Aussichtspunktes, war kurz vor dem Ziel jedoch ebenfalls gesperrt. Diesmal gab es definitiv keine Möglichkeit mehr, weiterzukommen.

Spätestens in diesem Moment musste ich akzeptieren, dass mein Wunschmotiv an diesem Tag schlicht nicht möglich war.

Das Beste aus der Situation machen

Ein Stück auf dem Rückweg entdeckte ich schließlich einen kleinen Pfad, der zu einigen Felsen am Meer führte.

Von dort aus konnte man den Tempel zumindest noch sehen.

Nicht in der perfekten Komposition, die ich mir vorgestellt hatte. Nicht mit dem Blickwinkel, den ich wochenlang im Kopf gehabt hatte. Aber immerhin besser als gar nicht.

Also stellte ich mein Stativ auf und machte einige Aufnahmen.

Die Begeisterung hielt sich zwar in Grenzen, dennoch war ich froh, wenigstens ein paar Erinnerungsfotos mitnehmen zu können. Außerdem zeigte sich der Sonnenaufgang noch am Horizont und verlieh der Szene eine angenehme Stimmung.

Manchmal muss man auf Reisen eben akzeptieren, dass nicht jeder Plan funktioniert.

Ein Tempel ganz für mich allein

Nachdem es vollständig hell geworden war, machte ich mich erneut auf den Rückweg zum eigentlichen Tempelgelände.

Dort angekommen erwartete mich eine angenehme Überraschung.

Es war noch nicht einmal 8 Uhr morgens, und außer einigen Mitarbeitern befand sich praktisch niemand auf dem Gelände. Während sich tagsüber Tausende Besucher durch die Anlage bewegen, hatte ich den Tempel fast komplett für mich allein.

Ich nutzte die Gelegenheit, um in Ruhe durch die Anlage zu schlendern und einige Aufnahmen zu machen.

Auch wenn mein eigentliches Wunschfoto nicht möglich gewesen war, war dieser Moment doch etwas Besonderes.

Und ganz nebenbei zeigte meine Uhr bereits über 10.000 Schritte an.

Noch vor dem Frühstück.

Haedong Yonggungsa Tempel Innenhof
Haedong Yonggungsa Tempel Aussicht
Wünsche von Besuchern im Haedong Yonggungsa Tempel
Haedong Yonggungsa Tempel im Sonnenaufgang

Schlaf nachholen

Anschließend fuhr ich mit dem Bus zurück zum Hotel.

Dort angekommen fiel die Entscheidung schnell: Schlaf nachholen.

Ich legte mich für einige Stunden ins Bett und schlief tatsächlich noch einmal ein. Nach den vergangenen Tagen mit wenig Schlaf tat das ausgesprochen gut.

Als ich wieder aufwachte, blieb ich noch eine Weile liegen und scrollte durch mein Smartphone.

Dabei fasste ich einen spontanen Entschluss.

Ein Tag ohne Kamera

Für den Rest des Tages würde ich die Kamera nicht mehr anfassen.

Kein Stativ.

Kein Kamerarucksack.

Keine Fotospots.

Keine Jagd nach dem nächsten Motiv.

Stattdessen wollte ich einfach durch Haeundae spazieren und den Tag genießen.

Rückblickend war das wahrscheinlich die beste Entscheidung des gesamten Tages.

Einfach treiben lassen

Also verließ ich das Hotel und lief ohne festes Ziel los.

Ich spazierte am Haeundae Beach entlang, hörte dabei LoFi-Musik und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Zwischendurch kaufte ich mir in den Convenience Stores etwas zu trinken oder einen kleinen Snack und setzte meinen Weg einfach fort.

Zum ersten Mal seit Beginn der Reise fühlte sich alles vollkommen entschleunigt an.

Natürlich macht mir das Fotografieren Spaß. Und es ist immer wieder ein großartiges Gefühl, wenn ein Bild genauso gelingt, wie man es sich vorgestellt hat.

Doch an diesem Tag wurde mir bewusst, wie angenehm es sein kann, einfach nur unterwegs zu sein, ohne ständig nach dem nächsten Motiv Ausschau zu halten.

Haeundae Beach Spaziergang
Haeundae Beach Spaziergang
Haeundae Beach Spaziergang
Haeundae Beach Spaziergang

Begegnungen unterwegs

Nach einer kleinen Pause im Hotel zog es mich erneut nach draußen.

Später spazierte ich in Richtung Dongbaek Park und folgte dem hölzernen Küstenweg, der über dem Wasser entlangführt und einige schöne Ausblicke auf die Küste bietet.

Unterwegs wurde ich von einem Mann angesprochen, der sich als Koreaner aus Vancouver vorstellte. Ursprünglich stammte er aus Südkorea und verbrachte gerade sechs Wochen Urlaub in seiner alten Heimat.

Wir unterhielten uns eine Weile über unsere Reisen, über Busan und über meine weiteren Pläne in Südkorea.

Es war kein langes Gespräch, aber ein sehr angenehmes.

Eine dieser zufälligen Begegnungen, die eine Reise oft bereichern.

Koreanisches Fast Food statt Fotospots

Später schlenderte ich erneut durch die Straßen rund um Haeundae und entdeckte eine Gasse voller kleiner Essensstände.

Dort probierte ich verschiedene koreanische Fast-Food-Gerichte aus und ließ mich einfach treiben.

Langsam wurde es dunkel.

Noch einmal kehrte ich kurz ins Hotel zurück, entspannte etwas in der Lobby und ging anschließend ein letztes Mal hinaus, um zu Abend zu essen.

Danach war der Tag endgültig vorbei.

Urlaub statt Arbeit

Zurück im Hotel schrieb ich diesen Bericht und bereitete alles für die morgige Abreise vor. Am nächsten Tag würde es mit dem Expressbus weiter nach Jeonju gehen – der letzten neuen Station meiner Reise, bevor ich für die verbleibenden Tage nach Seoul zurückkehren würde.

Rückblickend war dieser Tag in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich.

Fotografisch begann er mit einer Enttäuschung. Mein eigentliches Wunschmotiv blieb unerreichbar und der frühe Start schien zunächst umsonst gewesen zu sein.

Trotzdem wurde daraus einer der angenehmsten Tage der gesamten Reise.

Ohne Kamera unterwegs zu sein, ohne das Gewicht des Rucksacks auf den Schultern und ohne ständig von einem Fotospot zum nächsten zu hetzen, fühlte sich plötzlich nach echtem Urlaub an.

Natürlich gab es auch Momente, in denen ich mir wünschte, die Kamera dabeizuhaben. Immer wieder tauchten schöne Szenen oder interessante Lichtstimmungen auf.

Vielleicht wäre eine kleine Kompaktkamera irgendwann ein guter Kompromiss.

Jedenfalls hat mir dieser Tag gezeigt, dass Reisen und Fotografieren zwar wunderbar zusammenpassen – dass man aber manchmal auch einfach nur unterwegs sein darf, ohne alles festhalten zu müssen.

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