Soloreise Südkorea – Tag 12

Soloreise Südkorea – Tag 12

Fahrt nach Jeonju, Hanok Village und ein ungewöhnlicher Gute-Nacht-Gruß

Nach einigen Tagen in Busan stand heute die Weiterreise nach Jeonju an – der letzten Station meiner Reise, bevor es zum Abschluss noch einmal zurück nach Seoul gehen sollte. Entsprechend früh verließ ich das Hotel und machte mich auf den Weg zur U-Bahn. Vor mir lagen erneut rund 1 Stunde und 20 Minuten Fahrt bis zum Busan Express Bus Terminal.

Dort angekommen hatte ich noch etwas Zeit bis zur Abfahrt meines Busses. Also besorgte ich mir in einem nahegelegenen Konbini ein kleines Frühstück und wartete entspannt auf die Abfahrt. Wie bisher fast alles im koreanischen Fernverkehr erschien auch dieser Bus pünktlich und verließ den Bahnhof auf die Minute genau.

Überraschender Luxus auf vier Rädern

Erst während der Fahrt stellte ich fest, dass ich beim Ticketkauf offenbar die höchste Premium-Kategorie der Expressbusse erwischt hatte. Jeder Fahrgast verfügte über einen großzügigen Einzelsitz mit deutlich mehr Platz als in einem Flugzeug. Die Sitze ließen sich beinahe in eine Liegeposition bringen, dazu gab es persönliche Bildschirme und zahlreiche Komfortfunktionen.

Ich nutzte den Bildschirm zwar nicht, dafür lief vorne im Bus ein koreanischer Fernsehsender, der zumindest für etwas Unterhaltung sorgte. So vergingen die rund drei Stunden Fahrt erstaunlich schnell.

Nach etwa zwei Stunden legte der Busfahrer eine vorgeschriebene Pause an einem großen Rasthof ein. Koreanische Fernbusfahrer müssen nach jeweils zwei Stunden Fahrzeit eine 15-minütige Pause einlegen. Die Gelegenheit nutzten viele Fahrgäste für einen Toilettengang oder einen kleinen Snack, bevor es anschließend weiter Richtung Jeonju ging.

Ankunft im Hanok Village

Nach etwas mehr als drei Stunden erreichten wir schließlich das Express Bus Terminal von Jeonju. Von dort aus ging es noch einmal etwa eine halbe Stunde mit Bus und zu Fuß weiter bis zu meiner Unterkunft.

Für die letzten Tage der Reise hatte ich mir etwas Besonderes ausgesucht: ein traditionelles Hanok-Haus, das modernisiert und als Unterkunft umgebaut worden war. Die Besitzerin empfing mich freundlich, erklärte mir kurz die wichtigsten Dinge und ließ mich anschließend in Ruhe ankommen.

Nachdem der Koffer verstaut war, machte ich mich direkt auf den Weg ins Herz des berühmten Jeonju Hanok Village.

Durch die Gassen von Jeonju

Bevor ich die Gegend erkundete, gönnte ich mir zunächst eine kleine Pause in einem gemütlichen Café.

Anschließend begann ich, durch die Straßen des Hanok Village zu schlendern. Diesmal verzichtete ich bewusst auf Smartphone und Navigation. Ich ließ mich einfach treiben und bog immer dort ab, wo die nächste interessante Gasse auf mich wartete.

Das Hanok Village ist zwar nicht riesig, aber unglaublich atmosphärisch. Traditionelle Häuser säumen die Straßen, überall gibt es kleine Innenhöfe, Cafés, Werkstätten und versteckte Ecken. Selbst ohne konkretes Ziel machte es Spaß, einfach umherzulaufen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Unterwegs besuchte ich auch die imposante katholische Kirche von Jeonju. Mit ihrer europäischen Architektur wirkt sie fast surreal zwischen den traditionellen koreanischen Gebäuden. Im Inneren herrschte eine angenehme Ruhe, sodass ich mir etwas Zeit nahm, bevor ich meinen Spaziergang fortsetzte

Jeonju Hanok Village
Jeonju Hanok Village
Jeonju Hanok Village
Jeonju Hanok Village

Jaman Mural Village

Irgendwann führte mich mein Weg an den Rand des Hanok Village und weiter hinauf ins nahegelegene Jaman Mural Village.

Das kleine Bergdorf ist für seine zahlreichen Wandgemälde bekannt. Viele Häuserfassaden sind mit bunten Illustrationen, Figuren und Kunstwerken bemalt. Anders als man vielleicht erwarten würde, handelt es sich dabei nicht um eine reine Touristenattraktion – viele der Häuser werden tatsächlich noch bewohnt.

Ich schlenderte durch die schmalen Gassen, entdeckte immer wieder neue Motive und genoss die Aussicht über die Dächer von Jeonju, bevor ich schließlich zurück ins Hanok Village ging.

Jaman Mural Village
Jaman Mural Village
Jaman Mural Village
Jaman Mural Village

Bibimbap – Pflichtprogramm in Jeonju

Am Abend kehrte ich zunächst in meine Unterkunft zurück, zog mich um und machte mich anschließend auf den Weg zum Abendessen.

Für Jeonju gibt es ein Gericht, an dem man kaum vorbeikommt: Bibimbap. Praktischerweise lag das Restaurant, das mir ChatGPT empfohlen hatte, direkt gegenüber meiner Unterkunft.

Bibimbap besteht aus Reis, Rindfleisch, verschiedenen Gemüsesorten und einem rohen Ei, die vor dem Essen gründlich miteinander vermischt werden. Eine einfachere Version hatte ich bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Seoul probiert.

Diesmal bekam ich die regionale Spezialität natürlich in deutlich hochwertigerer Form serviert. Trotzdem musste ich feststellen, dass Bibimbap wohl einfach nicht meinen persönlichen Geschmack trifft. Auch wenn das Gericht handwerklich sicher hervorragend zubereitet war, wollte der Funke bei mir nicht überspringen.

Eine ungewöhnliche Begegnung

Nach dem Essen holte ich meine Kamera und machte mich erneut auf den Weg durch die inzwischen beleuchteten Straßen des Hanok Village.

Dabei kam es zu einer jener kleinen Begegnungen, die eine Reise oft besonders machen.

Ein junger Koreaner steuerte direkt auf mich zu und fragte ohne Umschweife, woher ich komme.

„Germany“, antwortete ich.

Daraufhin sagte er kein weiteres Wort, zog stattdessen sein Smartphone hervor und begann konzentriert darauf herumzutippen. Nach etwa einer halben Minute hielt er mir den Bildschirm entgegen.

Dort stand – offenbar frisch übersetzt:

„Gute Nacht.“

Ich musste lachen, bedankte mich und wünschte ihm ebenfalls eine gute Nacht. Damit war die Unterhaltung auch schon beendet und er zog wieder weiter.

Später begegnete ich ihm noch zwei weitere Male in den Straßen des Viertels. Jedes Mal war er alleine unterwegs und schien mit sich selbst zu sprechen. Vielleicht war er einfach etwas eigen, vielleicht steckte auch etwas anderes dahinter. In jedem Fall blieb mir diese Begegnung im Gedächtnis – gerade weil sie so unerwartet und gleichzeitig völlig harmlos und freundlich war.

Vorfreude auf den Morgen

Nach einigen weiteren Fotos in den abendlichen Gassen kehrte ich schließlich in meine Unterkunft zurück.

Für den nächsten Morgen hatte ich mir vorgenommen, bereits um fünf Uhr aufzustehen, um das Hanok Village noch vor dem großen Besucherandrang zu fotografieren. Die leeren Straßen und die besondere Morgenstimmung versprachen deutlich bessere Bedingungen als tagsüber.

Also bereitete ich alles vor, stellte den Wecker und ging etwas früher schlafen als sonst – in der Hoffnung, dass mir diesmal das Aufstehen leichter fallen würde als noch in Gyeongju

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