Soloreise Südkorea – Tag 13

Soloreise Südkorea – Tag 13

Die Suche nach dem perfekten Foto in Jeonju

Heute klingelte der Wecker bereits um 5 Uhr morgens. Aus dem Futon schälte ich mich allerdings erst eine halbe Stunde später. Die Nacht auf dem traditionellen Schlafplatz war im wahrsten Sinne des Wortes etwas härter als gewohnt, denn den Boden darunter spürte man durchaus deutlich. Trotzdem hatte ich überraschend gut geschlafen. Vielleicht steckt tatsächlich etwas hinter der Theorie, dass eine festere Unterlage dem Rücken guttun kann. Für ein abschließendes Urteil hätte ich es allerdings deutlich länger ausprobieren müssen.

Mit Kamera und Stativ machte ich mich auf den Weg durch die noch nahezu menschenleeren Straßen des Hanok Village. Nur vereinzelt waren ältere Koreaner unterwegs, die ihren morgendlichen Spaziergang machten. Die Stimmung war ruhig und angenehm, doch fotografisch wollte der Funke an diesem Morgen nicht so recht überspringen. Ich probierte einige Motive aus, fühlte mich dabei jedoch erstaunlich unmotiviert und kehrte schon nach kurzer Zeit wieder in meine Unterkunft zurück.

Kaum lag ich wieder auf dem Futon, war ich eingeschlafen.

Jeonju Hanok Village
Jeonju Hanok Village

Frühstück im Innenhof

Gegen halb acht wurde ich erneut wach. Wenige Minuten später erhielt ich eine Nachricht meiner Gastgeber, dass das Frühstück um neun Uhr serviert werde. Tatsächlich klopfte es kurz vor neun bereits an der Tür.

Das Frühstück bestand aus Kaffee, Toast mit Erdbeermarmelade sowie etwas frischem Obst. Damit setzte ich mich in den kleinen Innenhof der Unterkunft. Dort saßen bereits eine junge Australierin und ihr Onkel, die gerade ihr Frühstück beendet hatten.

Ich fragte die beiden, wie sie auf den Futon geschlafen hätten, und schnell entwickelte sich ein Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass ihr Onkel Fotograf ist und aktuell sogar eine Ausstellung seiner Bilder in Jeonju hat. Aus diesem Grund waren die beiden überhaupt in der Stadt. Wir unterhielten uns noch eine Weile über Fotografie, Reisen und Jeonju, bevor sie ihre Sachen packten und aufbrachen.

Nachdem auch ich gefrühstückt hatte, ging es zurück ins Zimmer, wo ich duschte und mich für den restlichen Tag fertig machte.

Kostenloser Eintritt und Hanbok-Fotoshootings

Mein erster Weg führte mich erneut ins Hanok Village und schließlich zum Gyeonggijeon-Schrein.

Gerade als ich mir ein Ticket kaufen wollte, erklärte mir der Mitarbeiter am Eingang, dass heute Kulturtag sei und der Eintritt deshalb kostenlos wäre. Das nahm ich natürlich gerne mit.

Auf dem Gelände herrschte eine angenehme Atmosphäre. Besonders auffällig waren die vielen Besucher, die traditionelle Hanboks trugen und sich an den schönsten Stellen fotografieren ließen. Überall entstanden kleine Fotoshootings, die dem historischen Ort zusätzlich Leben einhauchten. Ich schlenderte durch die Anlage, erkundete die verschiedenen Gebäude und genoss das Treiben.

Gyeonggijeon Schrein
Gyeonggijeon Schrein

Die Jagd nach einem Foto

Schon seit gestern beschäftigte mich jedoch noch etwas anderes.

Im Internet hatte ich ein Foto aus Jeonju gesehen, dessen genauer Standort mich nicht mehr losließ. Bereits am Vortag hatte ich versucht herauszufinden, wo es aufgenommen worden war. Selbst mehrere KI-Modelle konnten mir lediglich bestätigen, dass es sich irgendwo im Hanok Village befinden musste.

Also setzte ich mich auf eine Parkbank und startete einen kleinen Hilferuf im Subreddit „Korea Travel“ auf Reddit.

Während ich auf Antworten wartete, kam ein älteres koreanisches Ehepaar auf mich zu. Beide sprachen gutes Englisch, fragten nach meiner Herkunft und wir kamen schnell ins Gespräch.

Sie erzählten mir, dass sie seit rund vierzig Jahren in Brisbane leben, aber regelmäßig nach Südkorea reisen, um Verwandte zu besuchen. Eine ihrer Angehörigen sei inzwischen 97 Jahre alt. Es war ein angenehmes und interessantes Gespräch.

Erst zum Schluss bekam die Unterhaltung eine unerwartete Wendung.

Die Frau erklärte, sie wolle mir noch etwas zeigen, und zog eine Karte der Zeugen Jehovas hervor. Ich lehnte freundlich ab, was beide sofort respektierten. Das fand ich zwar etwas schade, weil das Gespräch bis dahin vollkommen ungezwungen gewesen war, dennoch blieben die beiden äußerst höflich und freundlich.

Später entdeckte ich sogar einen kleinen Informationsstand der Zeugen Jehovas im Ort – ganz ähnlich wie man sie auch in Deutschland gelegentlich sieht.

Reddit rettet den Tag

Den restlichen Vormittag verbrachte ich entspannt damit, weiter durch Jeonju zu schlendern. Zwischendurch warf ich immer wieder einen Blick auf Reddit.

Und tatsächlich: Nach einiger Zeit meldete sich jemand mit der Lösung.

Der gesuchte Ort lag nur etwa 100 Meter von meiner Unterkunft entfernt – versteckt in einer kleinen, schmalen Gasse.

Bevor ich mich jedoch auf den Weg machte, gönnte ich mir noch einen Mittagsschlaf. Nach zwei Stunden Ruhe fühlte ich mich deutlich frischer und machte mich direkt auf den Weg zu der beschriebenen Stelle.

Und tatsächlich: Es war genau der Ort, nach dem ich gesucht hatte.

Voller Freude begann ich verschiedene Bildkompositionen auszuprobieren und war zunächst sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Erst später, zurück in der Unterkunft, bemerkte ich einen ärgerlichen Fehler. Auf der rechten Seite hatte ich einen Teil des Gebäudes abgeschnitten, wodurch die Aufnahme nicht die Wirkung erzielte, die ich mir erhofft hatte.

Wieder einmal dachte ich daran, wie hilfreich ein noch weitwinkligeres Objektiv gewesen wäre. Während dieser Reise war mir dieser Gedanke bereits mehrfach gekommen. Die Wahrscheinlichkeit steigt jedenfalls, dass künftig ein Ultraweitwinkelobjektiv seinen Weg in meinen Fotorucksack finden wird.

Korean Fried Chicken

Am Abend meldete sich langsam der Hunger.

Dabei fiel mir auf, dass ich während der gesamten Reise noch kein klassisches koreanisches Fried Chicken probiert hatte. Das wollte ich ändern.

Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass die nächste Filiale der beliebten Kette BHC Chicken rund 35 Minuten zu Fuß entfernt lag. Also machte ich mich auf den Weg.

Die Strecke kam mir gerade recht, um noch ein paar Schritte zu sammeln und etwas Appetit aufzubauen.

Im Restaurant angekommen, war ich zunächst der einzige Gast. Bestellt wurde über ein Tablet am Tisch – allerdings ausschließlich auf Koreanisch. Mithilfe meiner Übersetzungs-App arbeitete ich mich durch die Menüs und entschied mich schließlich für das klassische Standardgericht inklusive Bier und einer zusätzlichen Soße.

Während der Wartezeit wurden Popcorn und eingelegte Meerrettichstücke serviert. Wenig später kam ein großer Korb voller knusprig frittierter Hähnchenteile an den Tisch.

Die Portion war gewaltig.

Das Hähnchen war angenehm scharf, außen knusprig und insgesamt wirklich lecker. Gegen Ende musste ich allerdings kapitulieren. Das letzte Stück blieb liegen, weil schlichtweg kein Platz mehr vorhanden war.

Ein ruhiger Abschluss

Für den Rückweg gönnte ich mir diesmal den Luxus einer Busfahrt. Rund zwanzig Minuten später war ich wieder in der Nähe meiner Unterkunft angekommen.

Im Konbini besorgte ich mir noch ein Eis als Nachtisch sowie eine Flasche Wasser für den nächsten Morgen.

Zurück im Hanok-Haus machte ich mich bettfertig, schrieb diesen Blogeintrag und ließ den Tag Revue passieren.

Am nächsten Morgen würde es bereits wieder zurück nach Seoul gehen – diesmal mit dem KTX.

Also stellte ich den Wecker erneut auf fünf Uhr und ging früh schlafen. Die letzten Tage der Reise warteten bereits.

 

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