Soloreise Südkorea – Tag 14

Soloreise Südkorea – Tag 14

Rückfahrt nach Seoul und Inwangsan Mountain

Zurück nach Seoul mit dem KTX

Heute ging es früh los, denn mein KTX-Zug von Jeonju nach Seoul fuhr bereits um 07:26 Uhr und ich musste noch zum Bahnhof gelangen. Da ich ursprünglich davon ausgegangen war, dass die Busfahrt dorthin etwa eine Stunde dauern würde, klingelte mein Wecker bereits um 05:00 Uhr morgens. Letztendlich stellte sich aber heraus, dass der Bahnhof deutlich näher lag als gedacht und ich nach knapp 20 Minuten bereits dort war. Entsprechend hatte ich mehr als genug Zeit.

Der Zug kam wie gewohnt pünktlich, fuhr pünktlich los und erreichte Seoul nach knapp zwei Stunden ebenfalls auf die Minute genau. Nach den Erfahrungen mit der Deutschen Bahn war die Zuverlässigkeit des koreanischen Zugverkehrs immer wieder beeindruckend.

Am Bahnhof von Seoul kannte ich mich mittlerweile gut aus und machte mich direkt wieder auf den Weg zu meinem Kapselhotel, in dem ich bereits zu Beginn der Reise übernachtet hatte. Da der Check-in erst ab 15 Uhr möglich war, gab ich zunächst meinen Koffer ab und zog wieder los.

Ein entspannter Vormittag in Seoul

Zunächst zog es mich zum Cheonggyecheon, dem kleinen Fluss, der sich durch das Zentrum von Seoul schlängelt. An der historischen Gwangtonggyo-Brücke setzte ich mich eine Weile ans Wasser und genoss die entspannte Atmosphäre. Trotz der Millionenstadt wirkte dieser Ort erstaunlich ruhig. Rund um den Fluss hatten es sich zahlreiche Menschen auf den Steinstufen gemütlich gemacht. Viele nutzten offenbar ihre Mittagspause, aßen dort etwas oder saßen einfach mit Kollegen zusammen und unterhielten sich. Ich machte es ihnen gleich, ließ die Beine baumeln und genoss einfach für eine Weile die entspannte Stimmung, bevor ich meinen Weg fortsetzte.

Zuerst suchte ich mir anschließend etwas zu essen. Die Wahl fiel auf einen kleinen koreanischen Burger-Imbiss, den ich ausprobieren wollte. Für umgerechnet etwa vier Euro bekam ich ein Menü mit Hamburger, Pommes und Getränk. Geschmacklich konnte es zwar nicht mit McDonald’s oder Burger King mithalten, aber es war völlig in Ordnung und machte satt.

Danach setzte ich mich in ein Café in der Nähe. Mit einem Café Latte und einem Stück Oreo-Kuchen am Fenster nutzte ich die Zeit, um mich noch einmal ausführlicher über mein fotografisches Ziel des Tages zu informieren: den Inwangsan Mountain. Von dessen Gipfel sollte man einen der schönsten Ausblicke über ganz Seoul haben.

Die Herausforderung bestand darin, den richtigen Aufstieg zu finden. Gefühlt führte von jeder Ecke der Stadt ein anderer Weg auf den Berg. Je nach Route wurden Gehzeiten zwischen 45 Minuten und mehreren Stunden angegeben. Natürlich entschied ich mich für die kürzeste Variante – und damit automatisch auch für die steilste.

Nach dem Café schlenderte ich noch etwas durch die Stadt in Richtung Gyeongbokgung-Palast. Dort machte ich einige Fotos der Statuen bedeutender historischer Persönlichkeiten Koreas und anschließend vom Palast selbst. Da ich nicht noch einmal Eintritt zahlen wollte, blieb ich diesmal im vorderen Bereich.

Statue von Admiral Yi Sun-sin
Statue von König Sejong dem Großem

Auf dem Rückweg kam ich an mehreren Ausstellungen zum Koreakrieg vorbei, die entlang der Straße aufgebaut waren. Ich blieb immer wieder stehen und las einige der Tafeln. Danach holte ich mir im Konbini noch ein paar Snacks als spätere Verpflegung für den Aufstieg und kehrte schließlich zum Kapselhotel zurück.

Vorfreude auf den wichtigsten Fotospot der Reise

Eigentlich hatte ich vor, mich dort für eine Stunde hinzulegen und etwas Schlaf nachzuholen. Doch je näher der Abend rückte, desto mehr kreisten meine Gedanken um den bevorstehenden Fotospot. Der Inwangsan war für mich eines der wichtigsten Motive der gesamten Reise. Genau dieses Gefühl hatte ich bereits in Japan erlebt: Dieses Kribbeln, wenn man weiß, dass man kurz davor steht, einen Ort zu besuchen, auf den man sich seit Monaten freut.

An Schlaf war deshalb nicht mehr zu denken.

Stattdessen kontrollierte ich zum gefühlt zehnten Mal Wetterbericht, Sonnenuntergangszeit und Anfahrtsweg und überlegte, welche Kleidung sinnvoll wäre. Für den Aufstieg wären kurze Sachen deutlich angenehmer gewesen, aber oben auf dem Gipfel würde es nach Sonnenuntergang kalt werden. Letztendlich entschied ich mich für Jeans und mein dickeres Merino-Shirt.

Der Aufstieg auf den Inwangsan

Mit der U-Bahn fuhr ich einige Stationen und erreichte nach einem kurzen Fußweg den Startpunkt meiner Route. Bereits die ersten Meter machten klar, warum dieser Weg als einer der steilsten galt. Treppenstufen wechselten sich mit felsigen Abschnitten, Erdwegen und weiteren Treppen ab.

Ich holte mein Handtuch hervor, krempelte meine Hose so weit hoch wie meine Waden es zuließen und begann den Aufstieg.

Aufstieg zum Inwangsan
Aufstieg zum Inwangsan
Aufstieg zum Inwangsan
Aufstieg zum Inwangsan

Wie lange er tatsächlich dauerte, weiß ich nicht mehr genau. Gefühlt waren es zwischen 45 und 60 Minuten. Zum Ende hin musste man sogar ein wenig über größere Felsformationen klettern.

Anstrengend war es definitiv, aber nie wirklich schwierig.

Oben angekommen wurde ich sofort für die Mühen belohnt.

Vor mir lag ganz Seoul.

Zu meiner Überraschung standen dort oben nicht nur Wanderer in Outdoor-Kleidung, sondern sogar ältere koreanische Geschäftsleute im kompletten Anzug. Vermutlich hatten sie jedoch einen der deutlich längeren und einfacheren Wege gewählt.

Zwei Stunden über den Dächern von Seoul

Ich sicherte mir einen Platz auf einem Felsen mit perfekter Sicht auf die Stadt und baute dort mein Stativ auf. Der Untergrund war alles andere als eben, weshalb ich ständig darauf achten musste, dass weder ich noch die Kamera ins Rutschen gerieten.

Dann begann das Warten.

Und genau das war einer dieser seltenen Momente, in denen das Warten selbst bereits Teil des Erlebnisses ist.

Über zwei Stunden verbrachte ich dort oben. Die Sonne sank langsam hinter den Bergen, die Schatten wurden länger und nach und nach begann Seoul unter mir zu leuchten. Von meinem Platz aus konnte ich nicht nur die endlosen Hochhäuser sehen, sondern auch den Gyeongbokgung-Palast sowie das Blaue Haus, den ehemaligen Amtssitz des südkoreanischen Präsidenten.

Zwischendurch kamen weitere Fotografen vorbei, doch erstaunlicherweise hatte niemand außer mir ein Stativ dabei. Dadurch musste ich meinen Platz mit der besten Aussicht nicht verteidigen.

Irgendwann war die blaue Stunde vorbei und die Millionenstadt verwandelte sich in ein Meer aus Lichtern.

Genau für diesen Moment war ich hierhergekommen.

Ein gelungener Abschluss der Fotoreise

Als ich schließlich zufrieden meine Ausrüstung einpackte, ließ ich noch ein paar Fotos von mir machen – als Beweis, dass ich tatsächlich dort oben gewesen bin – und machte mich anschließend mit Stirnlampe bewaffnet auf den Rückweg.

Diesmal wählte ich jedoch einen einfacheren Weg nach unten, der mich in etwa 30 bis 45 Minuten zurück in die Stadt brachte.

Von dort nahm ich einen Bus zurück zu meinem Kapselhotel. Vorher machte ich allerdings noch einen Zwischenstopp bei Burger King. Zu dieser Uhrzeit hatten die meisten Lokale bereits geschlossen und ich wollte es möglichst unkompliziert halten.

Nach dem Essen ging ich zurück ins Hotel, übertrug die Fotos auf mein Smartphone, teilte einige davon im WhatsApp-Status und fiel anschließend ins Bett.

Mit dem Inwangsan hatte ich meinen wichtigsten Fotowunsch der gesamten Reise erfüllt. Das allein sorgte schon dafür, dass sich der Tag wie ein voller Erfolg anfühlte.

Besonders schön war aber die Erkenntnis, dass ich den letzten vollen Tag nun völlig entspannt angehen konnte. Alle fotografischen Ziele waren erreicht, der Kamerarucksack musste nicht mehr ständig mitgeschleppt werden und zum ersten Mal seit Beginn der Reise hatte ich das Gefühl, einfach nur noch den Abschluss genießen zu können.

Morgen würde mein letzter voller Tag in Südkorea beginnen.

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