Soloreise Südkorea – Tag 9
Soloreise Südkorea – Tag 9
Busan, Gamcheon Village, die Busan Harbor Bridge und eine Drohnenshow am Gwangalli Beach
Der heutige Tag fühlte sich an, als hätte er doppelt so viele Stunden gehabt wie üblich. Als ich kurz vor Mitternacht schließlich wieder in meinem Hotelzimmer ankam, hatte ich das Gefühl, bereits zwei volle Tage hinter mir zu haben.
Mit dem Expressbus nach Busan
Der Morgen begann vergleichsweise entspannt. Als mein Wecker gegen halb neun klingelte, stand ich diesmal tatsächlich sofort auf. Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage wollte ich nicht riskieren, erneut länger zu schlafen als geplant.
Zum Frühstück besorgte ich mir etwas im Convenience Store neben dem Hotel und aß in Ruhe auf meinem Zimmer. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den kurzen Weg zum Intercity Bus Terminal, wo ich bereits zwei Tage zuvor mein Busticket nach Busan gekauft hatte.
Der Bus kam pünktlich und verließ Gyeongju ohne Verzögerungen. Die Fahrt dauerte etwas mehr als eine Stunde und verlief angenehm ruhig. Schon kurz nach der Ankunft stellte ich fest, dass mein Hotel erfreulich günstig gelegen war – zumindest gemessen an der Entfernung zum Busbahnhof. Nach nur wenigen Minuten Fußweg erreichte ich die Unterkunft.
Da ein Check-in noch nicht möglich war, schloss ich meinen Koffer zunächst ein und zog direkt wieder los.
Busans Verkehrschaos
Nach einem kleinen Snack aus dem Convenience Store stellte sich die Frage, womit ich den Nachmittag beginnen sollte. Da die Sonne bereits hoch am Himmel stand und die Lichtbedingungen für Fotografie ohnehin nicht optimal waren, entschied ich mich für das Gamcheon Cultural Village.
Auf der Karte wirkte die Entfernung zunächst überschaubar. Die Realität sah allerdings anders aus.
Obwohl das Ziel nur etwa zehn Kilometer entfernt lag, benötigte ich mit mehreren Busverbindungen fast eineinhalb Stunden. Schnell wurde klar, warum: Busan besteht gefühlt zu gleichen Teilen aus Bergen und Stau.
Während der erste Bus noch angenehm geräumig war, erwartete mich beim Umstieg ein komplett anderes Erlebnis. Der zweite Bus war ein kleiner Stadtbus, der bereits bei meiner Ankunft bis auf den letzten Zentimeter gefüllt war. Trotzdem ließ der Fahrer weiterhin Fahrgäste einsteigen und schien keinerlei Zweifel daran zu haben, dass noch irgendwo Platz sein musste.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nie in einem volleren Bus gestanden habe.
Zum Glück waren es nur noch wenige Haltestellen bis zum Ziel.
Das farbenfrohe Gamcheon Cultural Village
Das Gamcheon Cultural Village zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Busans. Die bunten Häuser ziehen sich über die Hänge eines Berges und verleihen dem Viertel sein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Vor Ort verbrachte ich etwa zwei Stunden damit, durch die engen Gassen zu schlendern und verschiedene Perspektiven auszuprobieren. Besonders auffällig war dabei der Kontrast zwischen dem ursprünglichen Dorfcharakter und den zahlreichen touristischen Geschäften, Cafés und Souvenirläden.
Manche Straßen wirkten inzwischen fast wie eine Freiluft-Einkaufsmeile.
Trotzdem bot das Viertel zahlreiche interessante Motive. Die farbigen Häuser, die steilen Treppen und die verschachtelte Bauweise machten es leicht, immer wieder neue Perspektiven zu entdecken.
Zu Fuß durch die Hügel von Busan
Irgendwann hatte ich genug Fotos gemacht und begann über das nächste Ziel nachzudenken. Beim Blick auf die Karte fiel mir ein Aussichtspunkt auf, von dem aus man einen hervorragenden Blick auf die Busan Harbor Bridge haben sollte.
Da ich das Motiv sowohl bei Sonnenuntergang als auch bei Dunkelheit fotografieren wollte, wäre ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln viel zu früh angekommen. Also entschied ich mich spontan, einen Teil der Strecke zu Fuß zurückzulegen.
Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie hügelig Busan tatsächlich ist.
Obwohl mein Weg überwiegend bergab führte, brannten die Oberschenkel irgendwann fast wie bei einer Bergwanderung. Die Straßen zogen sich in unzähligen Kurven durch die Hügel, und immer wieder eröffneten sich neue Ausblicke auf die Stadt.
Nach ungefähr der Hälfte der Strecke stieg ich in einen weiteren kleinen Bus um, der mich bis in die Nähe des Aussichtspunktes brachte.
Allein diese Fahrt war bereits ein Erlebnis. Die Kombination aus steilen Straßen, engen Kurven und einer äußerst engagierten Fahrweise des Busfahrers erinnerte stellenweise eher an eine Freizeitparkattraktion als an eine gewöhnliche Buslinie.
Die Busan Harbor Bridge bei Sonnenuntergang
Am Aussichtspunkt angekommen, war ich zunächst allein. Dadurch konnte ich mein Stativ in Ruhe aufbauen und die Komposition vorbereiten.
Nach und nach trafen weitere Fotografen ein, doch insgesamt blieb es angenehm ruhig. Während ich auf den Sonnenuntergang wartete, sprach mich plötzlich ein Jugendlicher an, der auf dem benachbarten Sportplatz seine Runden drehte.
Er fragte, ob wir gemeinsam ein Selfie machen könnten.
Warum genau er ausgerechnet mit mir ein Foto haben wollte, weiß ich bis heute nicht. Aber natürlich erfüllte ich ihm den Wunsch.
Je weiter die Sonne sank, desto kühler wurde es auf dem Hügel. Während ich zunehmend fror, machte ich immer wieder neue Aufnahmen und beobachtete, wie die Lichter der Stadt langsam angingen.
Als es schließlich vollständig dunkel war, begann die Skyline zu leuchten und die Brücke zeigte sich von ihrer schönsten Seite.
Gerade als ich mein Stativ bereits eingepackt hatte und gehen wollte, geschah jedoch etwas Unerwartetes: Die Brücke selbst begann plötzlich in wechselnden Farben zu leuchten.
Also alles wieder auspacken.
Kamera aufbauen. Stativ aufstellen. Noch mehr Fotos machen.
Diesmal hatte sich das Warten endgültig gelohnt.
Ein Taxi und der zweite Teil des Tages
Mittlerweile war ich allerdings komplett durchgefroren.
Für den Rückweg entschied ich mich deshalb gegen Bus und Bahn und bestellte mir über eine App ein Taxi. Bereits wenige Minuten später wurde ich abgeholt und für umgerechnet etwa 13 Euro innerhalb einer halben Stunde zurück zum Hotel gebracht.
Dort konnte ich endlich einchecken, meinen Koffer aufs Zimmer bringen und mich etwas wärmer anziehen.
Lange blieb ich allerdings nicht.
Die Drohnenshow am Gwangalli Beach
Mein letztes Ziel des Tages war der Gwangalli Beach. Jeden Samstag findet dort eine spektakuläre Drohnenshow statt, bei der rund 2.000 Drohnen verschiedene Figuren und Animationen über dem Meer erzeugen.
Glücklicherweise war der Strand nur wenige Bahnstationen entfernt, sodass ich rechtzeitig zur Vorstellung um 22 Uhr eintraf.
Pünktlich begann die Show.
Für etwa zwölf Minuten verwandelte sich der Himmel über dem Strand in eine riesige Leinwand aus Licht. Während ich versuchte, gleichzeitig zu filmen und die Show zu genießen, entstanden immer neue Formen und Bilder über der Bucht.
Die Atmosphäre am Strand war beeindruckend und bildete einen gelungenen Abschluss für diesen ohnehin schon ereignisreichen Tag.
Ein sehr später Feierabend
Nach der Show hatte ich endgültig genug für einen Tag erlebt.
Mit der Bahn fuhr ich zurück zu meinem Hotel, gönnte mir bei McDonald’s noch ein spätes Abendessen – oder eher Nachtessen – und ließ den Tag schließlich auf dem Hotelzimmer ausklingen.
Während ich diesen Bericht schrieb, zeigte die Uhr bereits weit nach Mitternacht.
Gegen ein Uhr morgens fiel ich schließlich ins Bett.
Zum ersten Mal seit einigen Tagen musste ich am nächsten Morgen keinen Wecker stellen – und genau darauf freute ich mich fast genauso sehr wie auf den nächsten Reisetag.






